Museum Schleusingen Hildburghausen

Zur Serie Landkreisrückblick Teil II/ Das Naturhistorische Museum Schleusingen - Geschichte erleben 28.01.2006
Erhaben und majestätisch thront die Bertholdsburg über der sich um den Fuß des Schlossberges windenden Stadt Schleusingen. Bollwerk gegen feindliche Armeen und Schutz für die Bewohner der Stadt war sie einst, Wahrzeichen und touristischer Anziehungspunkt ist sie noch heute. Und eine Konstante der Zeitgeschichte bleibt sie. Schon seit fast 8 Jahrhunderten empfängt die Burg Durchreisende und Besucher Schleusingens. Ihre Bedeutung für den Südthüringer Raum wird durch die Wappenkunde noch unterstrichen. Nicht nur in den Wappen von Städten und Gemeinden ist die schwarze Henne auf grünem Berg im gelben Feld, das Zeichen der Henneberger Schlossherren, enthalten. Auch im dreigeteilten Landkreiswappen selbst findet sich die Henneberger Henne wieder.

Zwischen 1226 und 1232 unter Poppo dem VII. von Henneberg erbaut, blieb die Bertholdsburg mehr als 350 Jahre Sitz und Residenz der henneberger Grafen. Zahlreiche Um- und Ausbauten in dieser Zeit verwandelten das Antlitz der einstigen Wehrburg bis zum Ende des 16. Jahrhunderts in das eines Renaissanceschlosses. Mit dem Tode des letzten Henneberger Grafen Georg Ernst 1583 verlor die Bertholdsburg zwar ihre Funktion als Residenz, gewann auf Grund ihrer zentralen Lage aber an Bedeutung als Verwaltungssitz - zunächst unter sächsischer, ab 1815 dann unter preußischer Fahne.

Mit der Gründung des „Franke-Zimmers“ – eines Heimatmuseums für Urgeschichte – beginnt 1934 die Museumsgeschichte der Burg. 1984 wird dann das Konzept des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg hinsichtlich der musealen Dauerausstellungen auf 3 Bereiche erweitert. Neben der Burg- und Regionalgeschichte werden jetzt auch die Minerale Thüringens sowie die Urgeschichte und die heutige Landschaftsbiologie des gesamten Freistaates thematisiert.
Als bauhistorisches Denkmal gehört die Burg bereits seit 1994 zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit Sitz in Rudolstadt.Im selben Jahr wird auch der Landkreis Hildburghausen auf Grund der Gebietsreform Träger des Museums.

Heute kümmern sich im Museum 9 Beschäftigte um den Aufbau und die Inhalte sowohl der ständigen als auch der Sonderausstellungen, sind mit der Reinigung und Pflege der Exponate und Ausstellungsräume betraut, erhalten die zum Schloss gehörenden Grünanlagen sowie die Burganlage selbst und sind natürlich auch für die Betreuung der zahlreichen Besucher verantwortlich.

Auf einer Fläche von gut 2.000 m² werden dem Besucher die drei Dauerausstellungen des Museums präsentiert:
Die Ausstellung „Minerale – Faszination in Form und Farbe“ zeigt über 1.000 Minerale und Gesteine schwerpunktmäßig aus dem Thüringer Raum, beleuchtet in diesem Zusammenhang aber auch den Thüringer Bergbau sowie die Entstehung der beiden Thüringer Gebirge. Zu bewundern gibt es neben Diamanten, Achaten und Bergkristallen auch Gold, Kupfer, Eisenerze und sogar unter UV-Licht leuchtende Kristalle (Fluoreszens).






Wrangelmammut und Frühmensch








Eine landschaftliche Zeitreise von den erdgeschichtlichen Wurzeln bis in die heutigen Tage, vermittelt die Ausstellung „300 Millionen Jahre Thüringen“ – begonnen mit urgeschichtlichen Landschaftsbildern, geprägt von Baumfarnen, Sauriern, Riesentausendfüßern, Haifischen und Urelefanten, bis hin zu den beiden heutigen UNESCO-Biosphärenreservaten Vessertal und Rhön. Etwa 1.000 Fossilien sowie 100 verschiedene Modelle prähistorischer Tiere und Pflanzen können nicht nur betrachtet, sondern teils sogar ertastet werden. Und auch lebende Fische und Urkrebse sind in mehreren Aquarien zu beobachten. Eine weitere Ausstellung über die Geschichte des Gräflichen Hauses Henneberg im Zusammenhang mit der Stadt- und Regionalgeschichte gibt aufschlussreiche Einblicke in die mittelalterliche Lebensweise der Burgherren und Stadtbewohner. Eingebettet in die historisch belassenen Burgräume wird nicht nur die Familiengeschichte des Grafengeschlechts, sondern werden auch die verschiedensten Handwerkszweige wie etwa die Münzprägerei, das Apothekerwesen, die Papierherstellung oder der Buchdruck vorgestellt.

Einen Rundblick über die Stadt bis hinauf zum Thüringer Wald kann man sich nach 128 Stufen auf der gut 40 m hoch gelegenen Aussichtsplattform des Schlossturmes verschaffen. Im Turm selbst sind das historische Uhrwerk und auch das Domizil des Turmfalken zu bestaunen.

Neben den drei ständigen Ausstellungen gelingt es dem Museum in den letzten Jahren insbesondere durch wechselnde Sonderausstellungen und einem breiten Spektrum sowohl an museumspädagogischen Lehrveranstaltungen als auch Exkursionen und (Bild-)Vorträgen sich als Südthüringer Besuchermagnet zu etablieren.

Feste Konstanten innerhalb der Sonderausstellungen waren die im jährlich abwechselnden Rhythmus präsentierte „Thüringer Landesausstellung der Kinder und Jugendkunst“ sowie die „Europäische Schülerkunst“. Ebenso wurden im künstlerischen Bereich 1996 die Farbgrafiken von André Lanskoy, 1997 die Malereien und Objektgestaltungen von Heiko Vielmuth unter dem Thema „Symbole und Zeichen“ und 1998 die Töpfereien von Walter Gebauer gezeigt. Im Zusammenhang mit den vorhandenen Dauerausstellungen waren folgende Foto-Präsentationen zu sehen:
2000 Meisterwerke der Naturfotografie von B. Koch und K.-P. Wolf aus München
2000 Architekturfotografie von András Mori
2001 „Einheimische Natur fotografiert“ von Naturfotografen aus dem Landkreis
2002 „LichtGestein“ – Makro-Farbfotografien von Konrad Götz aus Germering bei München
2005 „Naturfotografie Südthüringen“.

Ebenso vertiefte die Wanderausstellung von Ralf Schmidt aus Suhl „Edle Steine – Achat, Carneol, Jaspis – eine herzogliche Schmucksteinsammlung des 18. Jh.“ (gezeigt 1995) die Inhalte der bereits vorgestellten Mineral- und Gesteinsausstellung. Im naturkundlichen Bereich taten dies hier die Sonderausstellungen
1997 „Jäger der Lüfte“ mit Briefmarkenserien zum Thema von Otto Eberhardt aus Themar
2004 300 Jahre Naturkundliche Sammlungen in Südthüringen
2005 „Welt der Gliedertiere“.

Die Ausstellungen „Thüringer Saurier“ (Triassic Park – 1994), „Dinosaurier – Knochen, Bilder, Plastiken“ (1997) und „Dinosaurier, Vögel und Säugetiere“ (1998) waren quasi der Vorläufer der am 15.06.2001 eröffneten Dauerausstellung „Auf den Spuren unserer Umwelt – 300 Millionen Jahre Thüringen“. Gleichermaßen prägten die Ausstellungen
1995 „Das Böttcherhandwerk stellt sich vor“ von Roland Hennecke aus Langenbach
1996 900 Jahre Henneberger Land (1096 – 1996)
1997 Henneberger Residenz Schleusingen
1999 525 Jahre Schleusinger Schützen
2002 425 Jahre Hennbergisches Gymnasium Schleusingen
das Erscheinungsbild der regionalgeschichtlichen Dauerausstellung.

Besonderer Höhepunkt in diesem Jahr ist die noch bis zum 05.03.2006 zu sehende Sonderausstellung „Mammutjäger der Eiszeit“ mit seltenen Fundstücken aus der frühzeitlichen Geschichte des Menschen.

Insgesamt hat der Landkreis Hildburghausen als jetziger Träger des Museums von 1995 bis 2001 216.000 DM bzw. von 2002 bis 2005 88.500 € nicht nur in die Erweiterung der Sammlungen der gezeigten Exponate investiert. Mit den aufgeführten Mitteln wurde auch die Ausstattung und Möblierung des Museums sowie der Ausstellungsräume finanziert. Darüber hinaus wurden aus diesem „Topf“ auch die technische Ausstattung der Museumsverwaltung und die für die Präparation erforderlichen Werkzeuge gezahlt.

Die folgende Auflistung ist also nur als ein kurzer Einblick in die bedeutendsten „Errungenschaften“ des Museums zu verstehen.

1995:
Von den in diesem Jahr zur Verfügung stehenden Mitteln konnte für 1.150 DM eine präparierte Frischlingsgruppe für die Naturkundliche Sammlung erworben werden. 23.700 DM entfallen auf die Beschaffung verschiedener teils noch unpräparierte Saurierschädel und –skelette. Die Mineralogische Sammlung wird um eine Achatdose sowie andere Achate und Jaspisse im Gesamtwert von 2.000 DM erweitert. Für 9.600 DM werden neue Vitrinen in den Ausstellungsräumen installiert.

1996:
Im Gesamtwert von 5.000 DM werden diesjährig unterschiedlichste Sammlungsexponate gekauft. Zur Restaurierung von 2 Kommoden gibt der Landkreis 2.600 DM dazu.

1997:
Rund 11.700 DM werden in diesem Jahr für den Ankauf von Ausstellungsstücken ausgegeben, darunter ein Quastenflosser, mehrere Nothosaurus-Skelette, urzeitliche Krebse und auch ein Ammonit.

1998:
3.800 DM werden in die Restauration 4 alter Buchbände über die Regionalgeschichte, 1.500 DM in den Erwerb einer Achatgeode und 2.000 DM in den Kauf eines Cheliderpeton im Zusammenhang mit der Erweiterung der Sauriersammlung investiert. 3 Ganzglasvitrinen und eine Reihengarderobe können mit 9.000 DM für die Museumsräume finanziert werden. Und 8.400 DM entfallen auf die Anschaffung von Aufbewahrungsschachteln für die Geologische Sammlung.

1999:
Die naturkundliche Sammlung erhält ein Schwarzbärpräparat für 1.600 DM. Für 2.700 DM werden 2 wertvolle Inkunabelbände restauriert. Die Kosten für eine Ausstellungswand zum Thema „Urknall“ betragen 4.600 DM.

2000:
Mit landkreislichen Eigenmitteln kann für 1.800 DM ein Junglöwenpräparat erworben werden.

2001:
Eine Schmetterlingssammlung im Wert von 2.000 DM wird in die naturkundliche Ausstellung aufgenommen. Thüringen-Grafiken für 1.200 DM finden ihren Platz im Museum.

Von 1998 bis 2001 stellen die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Fördermittel in Höhe von rund 1.410.800 DM und der Landkreis Hildburghausen Eigenmittel in Höhe von rund 540.500 DM für den Aufbau der am 15.06.2001 feierlich eröffneten Dauerausstellung „300 Millionen Jahre Thüringen“ zur Verfügung.

2002:
Mit 2.000 € wird die Ausstellung „300 Millionen Jahre Thüringen“ um einen Discosauriscus und diverse Branchiosaurier sowie eine Fossilienplatte mit Seelilien ergänzt. Für die Restaurierung eines Biedermeiersekretärs im Rahmen der regionalgeschichtlichen Exposition werden 2.500 € verausgabt. Darüber hinaus erwirbt das Museum 30 Flügeltürenschränke für das Magazin und 30 Holz-Grafikschränke für insgesamt 23.300 €.

2003:
Für die regionalgeschichtliche Sammlung wird ein Kirschbaum-Sekretär von 1800 für 2.400 € aufwendig restauriert.

2004:
2.900 € werden auf die Restaurierung einer Loise-Seize-Kommode sowie einer weiteren Kommode verwand. Weiterhin erwirbt das Museum für 13.200 € Schubladenschränke für das Geologische Magazin.

2005:
Der Edelsteinsaal der Mineralogischen Sammlung wird für 1.300 € mit 10 Informationstafeln bestückt. Ebenso erfolgt die Restauration eines Biedermeier-Sofas und 6 dazugehörender Stühle für 1.300 €. Die Dauerausstellung „300 Millionen Jahre Thüringen“ wird für 1.550 € um einen Trilobiten sowie den Schädel eines Trimerorhachis aus dem Perm ergänzt. Weiterhin werden 3 beleuchtete Ganzglasvitrinen für 5.800 € für den Edelsteinsaal erworben.




Museum Schleusingen