Meeresmuseum Kreisfreie-Stadt-Stralsund

Am 14. Januar 2006 wurde ein toter Wal von Anglern auf einer Sandbank vor Wismar entdeckt. Zunächst kam das Tier mit Hilfe von Schiffen der Wasserschutzpolizei und des Wasser- und Schifffahrtsamtes zum Tonnenhof in Rostock-Warnemünde (Hohe Düne). Dort halfen Taucher von Greenpeace den Finnwal zu heben und auf einen Tieflader zu laden.

Nachdem der Wal bei der Verladung sein Maul zeigte, war die Artbestimmung für den Walforscher Dr. Harald Benke jetzt hundertprozentig möglich: \"Bei dem Wal handelte es sich eindeutig um einen Finnwal. Erstaunlich ist nur, wie extrem dünn der Wal war.\" Die Sektion des Tieres wurde nun mit Spannung erwartet, um festzustellen, ob der Wal in der Ostsee verhungert war, da es sich wahrscheinlich um das gleiche Tier handelte, dass im Oktober letzten Jahres im Odense-Fjord in Dänemark gesichtet und fotografiert wurde. Auch dieses Tier war sehr dünn.

Auf dem Weg von Rostock nach Stralsund wurde der Wal von Greenpeace nach Berlin \"entführt\". Dort protestierte Greenpeace vor der japanischen Botschaft gegen den so genannten wissenschaftlichen Walfang.

Am 19. Januar kurz nach 16 Uhr kam der gestrandete Finnwal wohlbehalten in Stralsund an. Vom Südhafen wurde der 20 Tonnen schwere Meeressäuger dann per Schwimmkran zum NAUTINEUM Dänholm übergesetzt. Dort wurde der Wal zunächst vermessen: das Tier war 16,50 m lang. Bei dem Meeressäuger handelte es sich um ein noch jugendliches Weibchen. Die Breite der Schwanzflosse (Fluke) betrug 3,16 m. Der Kadaver war sehr dünn und - bedingt durch die kalte Witterung - noch sehr frisch.






Am Freitag, dem 20. Januar, begannen die Museumswissenschaftler dann mit der Sektion. Unterstützung bekamen sie dabei von Biologiestudenten aus Rostock und Greifswald. Zunächst wurde die nur 3 - 6 cm dicke Fettschicht (beim Finnwal, der im Juli 2005 strandete, war sie 6 - 10 cm dick) abgetragen. Anschließend wurden die Muskeln und inneren Organe frei gelegt sowie das Skelett vollständig entfleischt. Während dieser Prozedur wurden von allen großen Organen Proben entnommen, die u. a. auf Schadstoffe, Bakterien und Viren untersucht werden. Im Magen und Darmtrakt fanden sich Reste eines Nahrungsbreies. Die entnommenen Proben wurden zur Untersuchung an das FTZ (Forschungs- und Technologiezentrum) Westküste Büsum der Universität Kiel geschickt. Das Skelett des Finnwalweibchens kam in die Mazerationsanlage auf dem Gelände der REWA Stralsund. Herz und Luftröhre werden in der Präparationswerkstatt des Meeresmuseums für die Ausstellung vorbereitet.

Die bisherigen Ergebnisse der Sektion zeigen, dass das stark geschwächte Tier in sehr flaches Gewässer der Wismarbucht geraten war und dort lebend vor einer Sandbank strandete, wo es dann an Kreislaufversagen starb.
(Text: Dr. Benke, Klaus Harder, Karin Hellmeier DMM)



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