Notaufnahmelager Marienfelde Marienfelde

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde (ENM) bittet um Hilfe
Mitarbeiter der ENM recherchieren seit 1998 im Rahmen eines Forschungsvorhabens sehr intensiv das Thema \"Das Notaufnahmelager Marienfelde im Visier des Stasi\".

Bis zum heutigen Zeitpunkt konnten 10 000 Seiten zu diesem Thema bei der BStU gesichtet werden. Als Produkt dieser Tätigkeit plant die ENM eine Schriftenreihe zu veröffentlichen. Der 6. Band wird sich ausschließlich mit einem IM befassen, der über Jahre auf dem Gelände des Notaufnahmelagers tätig war. Es handelt sich dabei um Dr. Götz Schlicht, alias IM Dr. Lutter. Er war von 1957 bis 1969 als Leiter der Beratungsstelle des Untersuchungsausschusses Freiheitlicher Juristen im Lager tätig. Von 1957 bis 1989 war er aber gleichzeitig IM des MfS. Das MfS verlieh ihm die Verdienstmedaille der DDR und den Kampforden in Gold. Von der Bundesrepublik wurde ihm zweimal das Bundesverdienstkreuz verliehen. Um das Thema Dr. Götz Schlicht umfassend und vor allem so objektiv wie möglich zu beschreiben, bittet wir um Ihre Hilfe. Wegen der von der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen praktizierten Aktenaufbereitung bei der Einsichtnahme für wissenschaftliche Zwecke gibt es keine objektive Möglichkeit zu beurteilen, ob ein IM durch seine Denunziationen tatsächlich \"Dritte\" geschädigt hat. Die gegenwärtige Regelung führt so unter dem Vorwand des Opferschutzes zum tatsächlichen Täterschutz. Da inzwischen festgestellt werden konnte, dass der IM Dr. Lutter in Marienfelde mehr als 30.000 Flüchtlinge \"beriet\", die sich sowohl bei der Schilderung ihrer Flucht als auch zur Hilfestellung für fluchtwillige Freunde und Verwandte vertrauensvoll an den Berater im Notaufnahmelager wandten, kann man davon ausgehen, dass die so gewonnenen Informationen des Beraters an die Stasi verraten wurden.
Es wäre daher für unser Forschungsvorhaben sehr hilfreich, wenn sich Betroffene, die in ihrer MfS-Akte einen Hinweis auf einen IM \"Lutter\", \"Dr.Lutter\" oder auch \"Dr.Luther\" gefunden haben, sich bei uns in der Erinnerungsstätte melden:
Tel.: (030) 7565 7395
Fax: (030) 7544 6634


Notaufnahmelager Marienfelde