Verein junger Unternehmer Rhoen-Grabfeld
Bei den Wirtschaftsjunioren Rhön-Grabfeld, ein Verein junger Unternehmer und Führungskräfte aus der Region, wird gehandelt, statt nur geredet. Vor drei Jahren aus dem Winterschlaf erwacht, hat die neue Vorstandschaft den Verein wieder auf den richtigen Kurs gebracht und sich zu einer festen Institution des Landkreises etabliert.Die jungen Unternehmer zeigen Initiative – nicht zum Eigennutz, sondern als Impulsgeber für andere. So auch bei der Chefsesselrallye 2005, einem Gemeinschaftsprojekt der Wirtschaftsjunioren in enger Zusammenarbeit mit der Staatlichen Wirtschaftsschule Bad Neustadt. „Für einen Tag den Chef spielen“ hieß es für 14 Schüler aus den neunten Klassen der Schule. Dabei betonen die Jungunternehmer, dass es sich nicht um ein übliches Kurz-Praktikum im Unternehmen handele, vielmehr sollen die Schüler den typischen Alltag eines Geschäftsführers kennen lernen.
Bevor den Schülern die „Verantwortung“ für das Unternehmen übergeben wurde, mussten sie sich realen Bewerbungskriterien unterwerfen, denn schließlich konnten von den 30 eingegangenen Bewerbungen lediglich 14 berücksichtigt werden. Eine saubere Bewerbung, korrekte Rechtschreibung, bisherige Praktikas und die Freizeitaktivitäten wurden dabei bewertet. „Ein Schüler, der in seiner Freizeit bereits Führungsverantwortung übernommen hat – beispielsweise im Fußballverein – ist hier im Vorteil“, beschreibt Vorstandsmitglied Harald Maisch.
Die 15jährige Julia Heuler, eine der Teilnehmerinnen, begleitete einen Tag lang Ulrich Borst, Steuerberater und Partner der Steuerkanzlei Ossig & Partner aus Bad Neustadt. Über den Datenschutz ausführlich informiert, begann der typische Arbeitsalltag für die neue Chefin in der renommierten Kanzlei. Mandantengespräche im Außendienst, ein kurzer Einblick in die Welt des Steuerberaters und reichlich Gesetzestexte forderten volle Konzentration der Schülerin. „Die Aufgaben eines Steuerberaters hätte ich mir nicht so vielfältig und kompliziert vorgestellt“ erläutert Heuler nach dem anstrengenden Tag, der – und hier unterscheidet sich das reale Leben von dem Chefsessel-Spiel – bereits um 17.00 Uhr endete. Kaum vorstellbar für die Schülerin, dass Borst im Anschluss noch einige Arbeitsstunden am Arbeitsplatz verbringt.
Einen besonders positiven Eindruck auf die Unternehmerin Christine Seger aus Münnerstadt machte der junge Chef Stefan Metz aus Bad Bocklet, dessen Kenntnisse aus dem Unterricht der Wirtschaftsschule an diesem Tag durchaus gefordert waren. Lag es doch in seiner Hand, über den Fuhreinsatz eines LKWs zu entscheiden, einer positiven Ertrags-Kalkulation vorausgesetzt.
Kreativität musste die 15jährige Eva-Maria Wehner aus Stockheim als Chefin der Bad Neustädter evoworkx Medienagentur beweisen. Für ein mittelständisches Unternehmen wurde in einer mehrstündigen Sitzung die Vertriebsstrategie für ein neues Produkt entwickelt. Welche Verantwortung die Agentur hier hat, wurde der neuen Chefin schnell bewusst.
Bei der Nachlese zur Chefsesselrallye standen die Unternehmer allen 90 Schülern der neunten Klasse der Wirtschaftsschule Bad Neustadt Rede und Antwort. Fragen wie „Was kostet Sie ein Auszubildender“ oder „wie viel verdient ein Chef“ fanden schnell kompetente Antworten. Vorstandsmitglied Maisch bedankte sich bei der Wirtschaftsschule, insbesondere beim stellvertretenden Schulleiter Kaminski, „der mit hohem Einsatz und viel Engagement gezeigt hat, wie wichtig ihm die Verbindung von Schule zur Wirtschaft ist“. Aufgrund des großen Erfolgs versprach Maisch eine Wiederholung der Chefsesselrallye im Jahr 2006.
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