Roth Triathlon Roth
08.12.2005: QCR-Veranstalter Herbert Walchshöfer im Interview: Quelle Challenge Roth bietet 2006 viele NeuerungenDM für fünf Jahre in Roth – QCR als weicher Standortfaktor
Neue Sponsoren kommen – Günstige Startgeld-Versicherung
ROTH – Im fünften Jahr seines Bestehens ist der Quelle Challenge Roth (QCR) weiter auf dem Weg, gegenüber seinen Konkurrenten sein eigenständiges Profil zu gestalten. Die Ausrichtungen der Deutschen Meisterschaften, die Werbung um Athleten im Bereich der neun Stunden, die Verpflichtung von Top-Stars, neue Sponsoren und eine deutliche Abgrenzung im Preis-Leistungsverhältnis gegenüber der World Triathlon Corporation (WTC) soll Europas größtes Langstreckenrennen auf Kurs halten. Veranstalter Herbert Walchshöfer beantwortet Fragen von Ludwig Hofer.
Für die vierte Veranstaltung unter dem Label Quelle Challenge Roth und für Sie persönlich war dieses Jahr an Spannung kaum zu überbieten. Ein Rekordfeld, ein Superrennen und das Thema Gesundheit beherrschten das Triathlon-Geschehen in Roth. Wie sehen Sie denn das durchwachsene Jahr 2005?
Herbert Walchshöfer: Erfreulich ist natürlich der Fakt, dass wir endgültig wieder da sind, wo wir bei Ironman Europe aufgehört haben, dann das exzellente Rennen von Chris McCormack – wieder unter acht Stunden, und schließlich im Zusammenhang mit meiner gesundheitlichen Situation, die Feststellung, dass ein zusammengeschweißtes Team Berge versetzen kann.
Wird diese Situation Änderungen bei TEAMChallenge nach sich ziehen?
Herbert Walchshöfer: Die hat es schon gegeben, noch bevor ich Anfang November des letzten Jahres auf „Warteposition“ für eine neue Lunge ins Krankenhaus musste. Detlef Kühnel kam nahezu vollzeitmäßig ins Team, kümmerte sich über seine TC-Beratertätigkeit hinaus um Triathlon-politische Fragen in Zusammenhang mit der DTU, um das Thema Sponsoring und um die QCR-Technik. Mein Sohn Felix praktiziert inzwischen den Spagat zwischen Marketing-Studiengang und Racedirektor und lernt so den Doppeleinsatz. Tochter Kathrin ist immer dann im Bereich PR mit von der Partie, wenn es ihr Medienstudium zulässt. Ich lege meinen Schwerpunkt jetzt und in Zukunft auf Konzept, Sponsoring und Kontaktpflege einschließlich Medien.
Wird es da um die Erholungszeit nicht ein wenig knapp?
Herbert Walchshöfer: Nach der Lungentransplantation im Januar kehre ich jetzt Step by Step täglich für einige Stunden wieder zurück ins richtige Leben. Nach der Reha im November hoffe ich im Frühjahr auf die ersten Jogging-Runden.
Ist das nicht ein wenig optimistisch?
Herbert Walchshöfer: Der Mensch braucht Ziele, und der Spruch meiner Ärzte „Wir sehen uns an der Finish-Line“ (beim QCR am 3. Juli 2005 – Anm. der Red.) hatte mich schon im Sommer stark beflügelt, dennoch reichte es nur zu einem Kurzauftritt zum Feuerwerk, wo ich allerdings in Anbetracht der Zuschauermassen, der Wettkampfleiter, der Athleten und vor allem meiner Familie und Freunde wusste: „Jetzt bist zu wieder zuhause“.
Dieses Zuhause QCR geht jetzt ins fünfte Jahr, was tut sich denn 2006?
Herbert Walchshöfer: Zunächst steht fest, dass die Deutschen Meisterschaften die nächsten fünf Jahre in Roth stattfinden werden. Verhandlungsführer Detlef Kühnel hat dies in seiner ihm eigenen Hartnäckigkeit erreicht und so Planungssicherheit auch im Hinblick auf das Thema TV geschaffen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden wir wieder ausverkauft sein. „Ausverkauft“ heißt in Roth, dass wir zusammen mit den Staffeln wieder die Bestzahlen des Ironman Europe erreichen, die einstmals im Mai bei rundherum 2.700/2.800 Athleten lagen. Insgesamt würden so am 2. Juli 2006 bei etwa 500 Staffeln um die 3.700 Sportler unterwegs sein. Im Rahmen dieses Feldes werden wir durch unsere neue SUB-9-Aktion eine bärenstarke zweite Reihe der Triathleten am Start haben. Ende November waren bereits an die 40 SUB-9-Teilnehmer gemeldet, die erstaunlicherweise zur Hälfte aus dem Ausland kommen – dazu gesellen sich noch die Top Ten. Nach dem Zieleinlauf der Besten wird es also in Roth, wie schon in den Vorjahren, Schlag auf Schlag gehen, was die Qualität des Starterfeldes deutlich unterstreicht. Außerdem werden wir jetzt, nachdem die Lizenz-Verhandlungen mit der DTU positiv gelaufen sind (die großen Veranstalter waren der Meinung, dass sich die DTU den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen sollte – Anm. d.Red.), eine sehr preisgünstige Startgeldversicherung anbieten können. Ein Teil der Einsparungen geht also direkt an die Athleten.
Das Thema Internationalität beim QCR ist ja schon mehrfach hinterfragt worden…
Herbert Walchshöfer: Ja, auch da sind wir auf dem alten Ironman-Pfad. Mit Teilnehmern aus 44 Ländern hatten wir im Vergleich zur Konkurrenz schon dieses Jahr die Nase vorne, und nach der aktuellen Übersicht werden im kommenden Jahr die Zahlen aus Spanien, Frankreich und England eher noch einmal zunehmen.
Die ausländischen Sportler kommen ja wohl nicht, weil Roth gar so schön ist?
Herbert Walchshöfer: Natürlich kann Roth den Charme einer übersichtlichen Kreisstadt nicht verleugnen, aber hauptsächlich sind es die gegenüber der WTC um bald 100 Euro günstigeren Startgebühren, die in Franken preiswerten Lebenshaltungs-kosten, das Umfeld des Seenlandes die Triathlon-Tradition und die weltweit nicht zu überbietende Zuschauerresonanz. Hinzu kommt allerdings, und das ist sicher der Hauptgrund für den Run auf Roth, unsere spezifische Marketingarbeit in Zielrichtung spezieller Marktsegmente. Und da tut sich eben genau da etwas, wo Aktivitäten laufen – und zwar seit Jahren.
Aktivitäten heißt?
Herbert Walchshöfer: Wir knüpfen Partnerschaften, schnüren touristische Pakete und sind stark in der Medienarbeit. Es gibt ausländische Zeitschriften aus dem Ausdauer- oder Triathlon-bereich, da sind der Konkurrenz zwanzig Zeilen und ein Bild gewidmet, der QCR verbreitet sich dagegen seitenweise. Den Redakteuren muss man den QCR natürlich vorzeigen, mit Schwärmerei oder Fantasiezahlen ist es nicht getan.
Nun ist das Thema Internationalität im Hinblick auf die wirtschaftliche Seite ja im Grunde egal, Hauptsache das Rennen ist ausverkauft.
Herbert Walchshöfer: Ich sehe das anders. Ein internationales Feld ist nicht nur eine Imagefrage, es ist auch eine Frage der Wertschöpfung durch diese Veranstaltung. Viele ausländische Gäste bringen Umfragen zufolge Fans oder Familie mit und bleiben länger, geben also insgesamt mehr Geld aus. Das ist enorm wichtig für die Stadt, den Landkreis und die Region, weil es rund sieben Millionen Euro ins Haus bringt und Arbeitsplätze sichert. In einem Gespräch mit dem Präsidenten der IHK Nürnberg für Mittelfranken, Professor Dr. Klaus Wübbenhorst, wurde kürzlich klar unterstrichen, dass der QCR ein unverzicht-barer weicher Standortfaktor für die Metropolregion Nürnberg ist, der im Zusammenwirken mit dem Norisring-Rennen oder dem Radkriterium um die Altstadt, um nur zwei weitere Bei-spiele zu nennen, den Ruf der Sportstadt Nürnberg zementiert.
Wird denn dem Standortfaktor QCR seitens der Unternehmen Rechnung getragen?
Herbert Walchshöfer: Wenn Sie damit den Sponsoringbereich meinen, dann sage ich ein klares „jein“. Einerseits haben uns die wichtigsten Sponsoren Quelle und Deutsche Post AG beim Markenwechsel 2002 die Stange gehalten und uns eine Chance gegeben, die wir nutzen konnten. Wegen der Stärkung regionaler Interessen sind zu diesem Zeitpunkt Unternehmen wie N-Ergie, die damalige Sparkasse Roth-Schwabach und die Bayerische Versicherungskammer ins Boot gekommen. Neuerdings hat sich sogar ein Sponsorenpool aus dem Landkreis gebildet. Andererseits sind die Bahn und Opel abgesprungen. Dies ist allerdings nicht Roth-typisch, denn Konkurrenzveranstaltungen haben Titel- und Hauptsponsoren verloren. Im Hinblick auf die boomende Sportart Triathlon und die mittlerweile erreichten Kontaktzahlen fragt man sich da schon, was noch alles geboten werden muss, um große Unternehmen zu überzeugen, neben Fußball noch andere Felder zu beackern. Die Probleme in diesem Bereich zeigen aber auch, und hier schließt sich der Kreis zur Internationalität, dass das Thema Sponsoren für den deutschen Triathlon auch ein weltumspannendes Aktionsgebiet ist. Wir werden in Kürze zwei Global Player präsentieren, die sich die Marktführerschaft des QCR in Europa explizit zueigen machen werden, um ihre Produkte intensiver zu bewerben. Und genau an dieser Stelle kommt dem QCR zugute, dass er eine gewisse Einmaligkeit ausstrahlt und nicht eines von meinetwegen 30 Rennen ist.
Eine gewisse Einmaligkeit besteht ja wohl auch darin, dass der Hawaiisieger in Roth an den Start geht.
Herbert Walchshöfer: Wir sind sehr stolz darauf, dass Faris ohne Verhandlungs-Hickhack seine Startzusage für 2005 (wo er aus Verletzungsgründen in Roth nicht starten konnte – Anm. d. Red.) gegen einen Hawaii-Zuschlag aufrecht erhielt. Dafür sind wir dankbar, und es zeichnet ihn aus.
Ludwig Hofer
Dezember 2005
Roth Triathlon