Mozart in Augsburg Augsburg

Mozart in Paradise oder Der Weltmeister

Seit seinem Tod wird Mozart von der eigenen Musik heimgesucht. Wo auch immer sie erklingt, ob live oder aufgenommen, sie wirkt unbarmherzig auf ihren Schöpfer ein und ruft in ihm einen Gehörschock, einen Mozart-Tinnitus, ein unablässiges Rauschen hervor. Und so sehnt er sich nach Stille, nach Ruhe, nach dem Ende seiner Musik, mit der er in ständigem Widerstreit liegt und deren endgültige Vernichtung er prophezeit.

Doch vorerst wird überall auf der Welt Mozart gespielt, das Köchelverzeichnis rauf und runter, pausenlos und in Hunderten von Interpretationen gleichzeitig. Allein Klang-Schallmauern können ihn zeitweise von dieser Kakophonie abschirmen. Vor allem Bach hat sich dabei als nützlich erwiesen. Haydn hingegen war von Anfang an wirkungslos. Doch auch Bach ist nicht mehr das, was er einmal war. Der sich überallhin fortpflanzende Mozartklang entwickelt Resistenzen, gegen die selbst mit Bach nichts mehr auszurichten ist. Wo früher zwei, drei Takte genügten, benötigt Mozart heute bereits zehn oder zwölf. So setzt Mozart für die Zukunft große Hoffnungen auf Schönberg.
Zwischen den Schallangriffen hält Mozart Rückschau auf seine posthume Karriere. Zunächst schien nichts auf diesen weltumspannenden Erfolg zu deuten, bis ihn schließlich die Salzburger entdeckten und auf das stumpfsinnigste für den Fremdenverkehr vermarkteten. Mozart selbst fungiert nur als musikalischer Opferstock, in den unablässig Geld eingeworfen werden muss, damit ein wenig tröstlicher Mozartbalsam aus ihm herauftönt ...

Mozart in Augsburg