Aktionskreis Sucht Ludwigsburg
Wenn Medikamente süchtig machenVortrag des Gerontopsychiaters Reiner Kortus
am Mittwochabend im Kreis-Gesundheitsamt
Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände sowie Schlafstörungen – mit zunehmendem Alter haben viele Menschen damit zu kämpfen. Benzodiazepine sind dann oft der Ausweg. Das sind rezeptpflichtige Medikamente, die - vorwiegend in Tablettenform – zur kurzfristigen Behandlung verabreicht werden. Nicht selten werden die Medikamente jedoch auch bei weniger schwerwiegenden Befindlichkeitsstörungen wie Nervosität, Überlastung und Erschöpfung verwendet. Benzodiazepine können aber süchtig machen. Darum lädt der Arbeitskreis „Alter und Sucht“ zu einer Informationsveranstaltung am Mittwoch, 15. Februar, 18 Uhr, ins Kreis-Gesundheitsamt in der Hindenburgstraße 20 in Ludwigsburg ein.
Der Gerontopsychiater Reiner Kortus vom Winnender Zentrum für Psychiatrie wird über „Benzodiazepinmissbrauch und Abhängigkeit bei älteren Patienten“ sprechen. Koordiniert wird der Arbeitskreis „Alter und Sucht“ vom Kreis-Gesundheitsamt und der Suchtbeauftragten des Landkreises. Beteiligt sind außerdem die Suchtberatungsstellen, die Selbsthilfegruppen und die Einrichtungen der Seniorenarbeit.
In der Veranstaltung wird Rainer Kortusin einer allgemein verständlichen Weise die Gefahren beschreiben, die von den Benzodiazepinen ausgehen können. Diese Medikamente besitzen ein beträchtliches körperliches und psychisches Abhängigkeitspotenzial. Die Gefahr, in eine Abhängigkeit zu geraten, ist vor allem dann groß, wenn bei der Einnahme nicht die ärztlichen Anweisungen beachtet werden. Aber auch bei ordnungsgemäßem Gebrauch – vor allem über einen längeren Zeitraum hinweg - kann es zur Abhängigkeit kommen. Missbrauch und Abhängigkeit von Benzodiazepinen stehen mit Abstand an der Spitze des schädlichen Arzneimittelgebrauchs in Deutschland. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht davon aus, dass von den rund 1,5 Millionen Arzneimittelabhängigen in Deutschland rund 1,1 Millionen von Benzodiazepinen abhängig sind. Die am häufigsten missbrauchten Benzodiazepine sind: Lorazepam, Bromazepam, Oxazepam, Flunitrazepam und Diazepam.
Die Sucht im Alter war vor wenigen Wochen auch Thema des „Aktionskreises Sucht“. Die Suchtbeauftragte des Landkreises, Brigitte Bartenstein, hat dort deutlich gemacht, dass das Suchtverhalten von alten Menschen noch weitgehend ein gesellschaftliches Tabu sei. Jeder vierte Mensch in Deutschland sei inzwischen älter als 60 Jahre – mit zunehmender Tendenz. Darum bekäme das Alterssuchtproblem ein immer größeres Gewicht in unserer Gesellschaft. Das Jahrbuch Sucht gehe von inzwischen rund 1,6 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland aus. Viele davon seien älter als 60 Jahre. Alkohol sei das größte Suchtproblem bei älteren Menschen, dicht gefolgt von der Medikamentenabhängigkeit. 80 Prozent der Psychopharmaka-Verschreibungen gingen an Patienten, die älter als 55 Jahre seien.
Aktionskreis Sucht